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Unser Lehrangebot der vergangenen Semester, gegliedert nach Semestern.

Wintersemester 25/26

Studio RE:USE – zwischen Turm und Tal
VDI-Wettbewerb Integrale Planung

„Bauen darf nicht länger linear gedacht werden. Der Entwurf beginnt beim Rückbau.“  Lukas Treyer, baubüro in situ

Der VDI-Wettbewerb Integrale Planung führt uns nach Wuppertal – eine Stadt, die historisch von der Industrialisierung geprägt ist und heute durch das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie sowie eine vielfältige Kunst- und Kreativszene bekannt ist. Ein kultureller und ökologischer Meilenstein wird mit der Bundesgartenschau (BUGA) 2031 gesetzt. Der Wettbewerb positioniert sich an der Schnittstelle von historischer Baukultur, kontemporärer Kreativszene und zukunftsfähiger Baukultur.

Die Entwurfsaufgabe umfasst die Planung eines Torgebäudes am südlichen Portal der neu entstehenden Hängebrücke, die im Rahmen der BUGA das Tal zwischen Kiesberg und Nützenberg (ca. 850 m) überspannen wird. Beide Höhenzüge sind durch parkähnliche Anlagen und jeweils einen Aussichtsturm geprägt. Ergänzt wird die Aufgabe durch ein Apartment für Kunstschaffende als temporärer Wohn- und Arbeitsort. Inspiriert von Wuppertals kulturellem Erbe – wie dem Skulpturenpark Waldfrieden von Tony Cragg – soll ein Raum für Rückzug, Kreativität und Austausch inmitten der Natur entstehen.

Der Entwurf soll ein Modellprojekt für zirkuläres Bauen sein. Grundlage bildet die Wiederverwendung von Bauteilen aus dem „Solar Decathlon Europe 21/22“ (Urban Mining). Die von Hochschulteams aus der ganzen Welt gebauten energieeffizienten Prototypen dienen nach ihrem geplanten Rückbau als ein gut dokumentiertes urbanes Rohstofflager. Im Rahmen des Entwurfs gilt es auf die vorhandenen Bauteilkataloge zurückzugreifen und diese neu einzusetzen.  Think like a miner, design like a gardener!

Der studentische Entwurfswettbewerb des VDIs wird zur Förderung der Integralen Planung durch Zusammenarbeit von Studierenden aus verschiedenen Studiengängen ausgeschrieben. Wir arbeiten dabei zusammen mit dem Institut für Integrative Gebäudetechnik und digitale Bautechnologie, IBBTE, und dem Institut für Konstruktion und Entwurf, KE, der Fakultät 2.

In Zusammenarbeit mit der Architekturfakultät der Universität in Sarajevo kündigt das IEK für das kommende Wintersemester den Entwurf eines Zentrums für Künstler, Designer, Architekten und Handwerker (v.a. Kunsthandwerker) in einer leerstehenden Fabrikanlage, also einem Bestandsbau, in Sarajevo an.

Im Rahmen des Entwurfs wird es in Sarajevo einen Auftaktworkshop mit Studierenden der Fakultät in Sarajevo geben (Einwöchig - Ende Oktober, Anfang November 2025). Weitere Informationen folgen.

RE:USE – Bauen im Kreis

The building of the future will be a materials bank, designed so that everything is ready to be reused. - Thomas Rau

Wie können wir Gebäude als Teil eines kontinuierlichen Materialkreislaufs denken? Das Seminar untersucht Strategien des zirkulären Bauens – von der Wiederverwendung über modulare und flexible Konstruktionen bis hin zu „Design for Disassembly“. Im Mittelpunkt stehen architektonische Entwurfsansätze, die Ressourcen schonen, Rückbau ermöglichen und neue Narrative für eine kreislaufbasierte Baukultur eröffnen.

Der Bau- und Gebäudesektor ist für rund 40 % des weltweiten Ressourcenverbrauchs und ein Drittel der globalen CO₂-Emissionen verantwortlich. Angesichts von Klimakrise, Rohstoffknappheit und wachsendem Müllaufkommen ist ein grundlegender Paradigmenwechsel im Bauen unumgänglich: Weg von der linearen Logik des „take – make – waste“, hin zu zirkulären Strategien, in denen Materialien im Kreislauf gehalten werden. Wiederverwendung, Rückbau, sortenreine Trennung, modulare Systeme und reversible Fügungen sind Schlüsselbegriffe dieser neuen Baupraxis. Dabei geht es nicht nur um Technik, sondern auch um Gestaltung: Wie sieht eine Architektur aus, die sowohl auf Langlebigkeit als auch auf Wandel ausgelegt ist?

Seminarinhalt
Das Seminar vermittelt Grundlagen des zirkulären Bauens und fragt nach dessen gestalterischem und konstruktivem Potential. Es führt in die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft, Reuse-Strategien und Materialien im Kreislauf ein. Anhand von Vorträgen von Expert*innen, Fallstudien und eigenen Referaten entwickeln die Teilnehmenden zukunftsweisende Ideen zwischen Theorie und Praxis. Exkursionen, u.a. zu „Urban Mining“ Projekten und Materialplattformen, sind Teil des Programms.
Ziel des Seminars ist es, ein kritisches Verständnis für das Potential und die Grenzen des kreislaufgerechten Bauens zu entwickeln und sowohl technische als auch und gestalterische Herausforderungen zu adressieren. Dabei sollen die Teilnehmenden eigene Entwurfsansätze entwickeln und in die Diskussion um die Zukunft des Bauens eingebracht werden.

Mud works! Das neue Bauen mit Erde

„Lehm ist das einzige Baumaterial, das unbeschränkt und ohne Qualitätseinbußen wiederverwendet werden muss “- Martin Rauch

Lehm ist eines der ältesten Baumaterialien der Welt – seit über 9.000 Jahren wird er in unterschiedlichsten Klimazonen genutzt. Heute erlebt er in Mitteleuropa, ausgelöst durch die aktuellen Herausforderungen im Bausektor, allen voran Ressourcenknappheit und Klimawandel, eine Renaissance als nachhaltige Alternative im Bauwesen. Kein anderes Baumaterial ist so ressourcenschonend, vollständig wiederverwendbar, nahezu CO₂-neutral und gleichzeitig regional verfügbar. Darüber hinaus bietet Lehm hervorragende bauphysikalische Eigenschaften sowie vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten und ist damit eine vielversprechende Perspektive für das Bauen der Zukunft.

Obwohl Lehm ein archaischer, „primitiver“ Baustoff ist, kann er hochfortschrittliche Leistungen erbringen und so technisch auf die Bedingungen der heutigen Zeit reagieren: Low tech – high performance.

 Seminarinhalt

Das Seminar bietet eine Einführung in die vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten von Lehm als Baumaterial. Es verbindet den Blick auf traditionelle Bautechniken mit einer Analyse moderner und zukünftiger Lahmbaumethoden.

Ablauf

Theorie: Expertengespräche und Referate der Studierenden zu traditionellen und modernen Lehmbauweisen
Praxis: Workshop zur Erprobung des eigenhändigen Umgangs mit Lehm als Baustoff.
Exkursionen: Besichtigung herausragender zeitgenössischer Lehmbauten und Lahmbaufirmen
Stegreifentwurf: Anwendung des erlernten Wissens in einem eigenen Entwurf (Gruppenarbeit)

Ziel

Ziel des Seminars ist es, ein tiefgehendes Verständnis für die Möglichkeiten und Herausforderungen des Baustoffs zu entwickeln – von handwerklichen Details bis zur konstruktiven Integration in nachhaltige Architekturkonzepte.

Sommersemester 2025

Re:Concrete – Arbeiten, Wohnen und Leben im ehemaligen Zementwerk

„Die Zukunft der Architektur kann nicht aus Beton gegossen werden.“
– Alejandro Aravena

Beton ist einer der meistverwendeten Baustoffe der Welt – doch seine Herstellung ist ressourcenintensiv und mit hohen CO₂-Emissionen verbunden.
Wie können wir in Zukunft ohne Beton bauen und gleichzeitig bestehende (Beton-)Strukturen weiter nutzen? Diese Frage nach einer Post-Beton-Architektur untersuchen wir auf dem Areal eines ehemaligen Zementwerks in Brunnen am Vierwaldstättersee. Das Firmenareal gleicht einem Lost Place: Die Anlage ist seit vielen Jahren stillgelegt und einige Bauten wurden bereits abgerissen.

Geschichte | Ort

Das Zementwerk wurde 1882 von der K. Hürlimann Söhne AG gegründet und produzierte bis zu seiner Schließung 2008 jährlich bis zu 170.000 Tonnen Zement. 1996 wurde das Unternehmen von Holcim übernommen und 2008 erfolgte die Schließung. Die jetzige Besitzerin ist die Nova Brunnen Immobilien AG.

Masterplan | Programm

Im ersten Schritt soll in Gruppenarbeit eine Gesamtvision für das Areal entwickelt werden. Darauf aufbauend entstehen vertiefte Einzelprojekte, entweder als Bestandsumbauten oder als Neubauten zur nachhaltigen Verdichtung des Areals.
Die vorhandenen Fabrikbauten werden weitestmöglich erhalten – vor allem soll der industrielle Charakter des Areals bewahrt werden. Ziel ist es, das Gelände als produktive Stadt neu zu beleben, mit einem lebendigen Mix aus Arbeiten, Forschen, Wohnen und Freizeit.
Ein besonderer Fokus liegt auf einer Materialreform: wir werden uns intensiv mit biobasierten Baustoffen  auseinandersetzen und deren Potenzial für die Transformation des Areals erforschen.

Campus Cabanons - Biobasierte Räume für Begegnung und Inspiration auf dem Campus


„Less, but better.“
- Dieter Rams

Wie können Architektur, Materialforschung und Nachhaltigkeit unseren Campus lebendiger und inspirierender gestalten? Im Entwurf „Campus Cabanons“ entstehen experimentelle Kleinarchitekturen aus biobasierten Materialien, die nachhaltiges Bauen sichtbar machen und neue Formen des Lernens und Zusammenkommens ermöglichen. Die
Cabanons sind sortenrein rückbaubar, ressourcenschonend und dienen als Rückzugsorte, Arbeitsräume oder Treffpunkte für Studierende, Forschende und die Öffentlichkeit.

Biobasiertes Bauen

Das Seminar „biobased“ im Wintersemester 2024/25 befasste sich mit biobasierten Baumaterialien aus nachwachsenden Rohstoffen wie Holz, Lehm, Stroh, Schilf, Hanfkalk oder Myzelium. Diese Materialien benötigen wenig
Energie zur Herstellung, sind recycelbar oder kompostierbar und bieten eine Alternative zu CO₂-intensiven Baustoffen wie Beton oder Stahl. Die Ergebnisse der im Seminar entwickelten Stegreifentwürfe bilden näherungsweise
die Grundlage für die „Campus Cabanons“. In diesem Sommersemester werden die Entwürfe bis zur Baureife entwickelt und anschließend soll bei erfolgreicher Finanzierung eine Auswahl im Selbstbau durch die Studierenden realisiert werden.

Konzept und Aufgabe

Als Inspiration dient das „Cabanon“ von Le Corbusier – ein minimalistischer Rückzugsort, der auf engem Raum das Wesentliche vereint. Das Cabanon steht für Reduktion, Funktionalität und Naturverbundenheit.
Unsere „Campus Cabanons“ interpretieren dieses Prinzip neu: Als funktionale Follies im Stadtgarten fördern sie Begegnung und Wissensaustausch. Ob Pavillons, Kioske oder Lernräume – die Entwürfe konzentrieren sich auf
das Notwendige, um Material und Energie zu sparen. Sie setzen konsequent auf Recycling und Kreislaufwirtschaft, indem alle Bauteile rückbaubar und wiederverwendbar sind.

Hands-On Heritage – Fachwerk
Kompaktseminar zur Fachwerkrestaurierung mit Praxiswoche in Quedlinburg

Wie werden historische Fachwerkbauten nachhaltig restauriert? Dieses Kompaktseminar vermittelt praxisnah die Grundlagen von Fachwerkkonstruktionen und Restaurierungsmethoden im Denkmalbau. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der praktischen Anwendung traditioneller Handwerkstechniken, die während einer Praxiswoche in Quedlinburg handson erlernt werden.

Praxiswoche in Quedlinburg

Der praktische Teil des Seminars findet in Kooperation mit dem Deutschen Fachwerkzentrum Quedlinburg (DFZ) statt. Das DFZ erforscht und saniert seit über 20 Jahren denkmalgeschützte Fachwerkgebäude ressourcenschonend
und nachhaltig. Dabei stehen der Einsatz traditioneller Handwerkstechniken, der größtmögliche Erhalt der Originalsubstanz, die Wiederverwendung historischer Baumaterialien und die Nutzung ökologischer Baustoffe im Fokus.

Kulturbau als Lernort

Während der Praxiswoche arbeiten die Teilnehmer:innen in kleinen Gruppen an der Restaurierung eines historischen Adelshofes aus dem 16. Jahrhundert in folgenden Handwerksbereichen:

  • Zimmerei & Tischlerei: Restaurierung historischer Fachwerkstrukturen,
    Gefache, Türen und Fenster,
  • Steinmetzarbeiten & Putztechniken: Ausmauern historischer Gefache,
    Festigung von Putzen,
  • Malertechniken: Anmischen und Anwendung historischer Farben.
    Ergänzend zur praktischen Arbeit werden Vorlesungen und Exkursionen zu
    Modellprojekten des DFZ angeboten.
Bauforschung & Modellrekonstruktion

Während der Praxiswoche führen die Teilnehmer:innen ein Bautagebuch zur Dokumentation ihrer Arbeitsschritte. Im Nachgang erfolgt eine vertiefende Analyse eines ausgewählten historischen Fachwerkbaus. In Gruppenarbeit wird die Holzstruktur detailliert untersucht und als Detailmodell nachgebaut.

Mud works! Das neue Bauen mit Erde

„How can we use dirt from the surface of the earth to make an alternative architecture that is both technically and aesthetically responsive to the conditions of our times“- Mohsen Mostafavi

Lehm ist eines der ältesten Baumaterialien der Welt – seit über 9.000 Jahren wird er in unterschiedlichsten Klimazonen genutzt. Heute erlebt er in Mitteleuropa, ausgelöst durch die aktuellen Herausforderungen im Bausektor, allen voran Ressourcenknappheit und Klimawandel, eine Renaissance als nachhaltige Alternative im Bauwesen. Kein anderes
Baumaterial ist so ressourcenschonend, vollständig wiederverwendbar, nahezu CO₂-neutral und gleichzeitig regional verfügbar. Darüber hinaus bietet Lehm hervorragende bauphysikalische Eigenschaften sowie vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten und ist damit eine vielversprechende Perspektive für das Bauen der Zukunft. Obwohl Lehm ein archaischer, „primitiver“ Baustoff ist, kann er hochfortschrittliche Leistungen erbringen und so technisch auf die Bedingungen der heutigen Zeit reagieren: Low tech – high performance.

Seminarinhalt

Das Seminar bietet eine Einführung in die vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten von Lehm als Baumaterial. Es verbindet den Blick auf traditionelle Bautechniken mit einer Analyse moderner und zukünftiger Lehmbaumethoden.

Ablauf

Theorie: Expertengespräche und Referate der Studierenden zu traditionellen und modernen Lehmbauweisen
Praxis: Workshop zur Erprobung des eigenhändigen Umgangs mit Lehm als Baustoff.
Exkursionen: Besichtigung herausragender zeitgenössischer Lehmbauten
Stegreifentwurf: Anwendung des erlernten Wissens in einem eigenen Entwurf (Gruppenarbeit)

Ziel

Ziel des Seminars ist es, ein tiefgehendes Verständnis für die Möglichkeiten und Herausforderungen des Baustoffs zu entwickeln – von handwerklichen Details bis zur konstruktiven Integration in nachhaltige Architekturkonzepte.

Wintersemester 24/25

Alexisbad for Future! Denk mal Kurort! VDI-Wettbewerb Integrale Planung

„Durch die Tannen will ich schweifen“Heinrich Heine, Die Harzreise

Ab dem Jahr 1810 entwickelte sich in Alexisbad im Harz ein Kurbetrieb, der das auf den Bergbau zurückgehende eisen-, fluor, und jodhaltige Stollenwasser zu Heilzwecken nutzte. Bei der Architektur- und Ortsplanung wirkte der Königlich Preußische Baumeister Karl Friedrich Schinkel mit. Unter den bekannten Kurgästen waren Carl Maria von Weber und Hans Christian Andersen.

Denkmalschutz ist Klimaschutz. Mit dem Projekt „Alexisbad for Future“ soll in zwei erhaltenen Baudenkmälern des historischen Gesamtensembles ein Veranstaltungszentrum mit Tagungsräumen sowie Übernachtungs-möglichkeiten geschaffen werden. Das historische Logishaus mit Sichtfachwerk soll Einzel-, Doppelzimmer, Apartments und kleinere Schulungs- und Besprechungsräume beherbergen. Das ehemalige Badehaus wird vollständig entkernt und als Veranstaltungsbereich genutzt.

Die Gebäudeplanung soll neue Wege für das zukünftige Bauen aufzeigen. Traditionelle Bauweisen und -materialien sollen dabei sinnhaft integriert und in die Zukunft transformiert werden. Ziel des Projektes ist insbesondere ein nachhaltiger Umgang mit nichterneuerbarer (Primär-) Energie und mit (nicht)erneuerbaren Materialien. Zirkuläres Bauen und die Nutzungspotentiale von Baustoffen in Form von Wiederverwendung, Weiterverwertung, Kompostierung und Aufbereitung sollen bei der Lösung der Aufgabenstellung besondere Beachtung finden.   

Der studentische Entwurfswettbewerb des VDIs wird zur Förderung der Integralen Planung durch Zusammenarbeit von Studierenden aus verschiedenen Studiengängen an einem gemeinsamen Projekt ausgeschrieben. Wir arbeiten dabei zusammen mit dem Institut für Integrative Gebäudetechnik und digitale Bautechnologie, IBBTE, und dem Institut für Konstruktion und Entwurf, KE, der Fakultät 2.

Eat up! - Entwurf für ein Betriebsrestaurant

„Schöner Essen‘ gehört ebenso wie die Gestaltung hochwertiger, optimaler Arbeitsplätze zur Philosophie einer High-End-Firma.“ - Falk Jaeger

Industriestandorte sind Orte der Arbeit, Orte für Menschen & Maschinen. Es geht bei Industriebauten tatsächlich aber um mehr als reine Produktions- und Logistikhallen, um mehr als Räume für Forschung & Entwicklung. Zunehmend verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit - Arbeitsorte werden Lebensorte. Soziale Funktionen halten Einzug in die Arbeitswelt, das heißt, Arbeits- und Lebenswelt gehen immer mehr ineinander über.

‘Liebe geht durch den Magen’ sagt ein altes Sprichwort.

Bei diesem Entwurf geht es nicht um einen Bau, der vorwiegend dem „Produktivsein“, sondern dem sozialen Leben und der Erholung, der Pause gewidmet ist. Für ein mitteständisches Unternehmen soll für einen Standort im Raum Stuttgart mit ca. 6000 Mitarbeitern ein neues Betriebsrestaurant geplant werden.

Wir verbringen die besten Stunden unseres Lebens in der Arbeitsumgebung. Das neue Betriebsrestaurant soll den Wunsch nach hoher gestalterischer Qualität mit dem Anliegen verbinden, dass die Mitarbeitenden, die dieses Restaurant besuchen, die Essenspause mit einem besonderen Lebensgefühl verbinden können. Für den Firmencampus entsteht eine neue „soziale Mitte“, die das Gemeinschaftsgefühl und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden fördert. Hier soll nicht nur in erholsamer Atmosphäre gegessen und anschließend Kaffee getrunken werden, sondern das Gebäude soll ganztägig „aktiv“ sein. Außerhalb der Essenszeiten wird der Raum für Meetings genutzt und zu besonderen Anlässen lässt sich der Innenraum als Auditorium für Betriebsversammlungen, Konzerte und andere Veranstaltungen bespielen.

Seit Beginn der Industrialisierung hat die Industrie eine wichtige Vorreiterrolle – nicht nur bei der Entwicklung neuer Produkte und Fertigungsmethoden, sondern auch bei der Entwicklung und Anwendung neuer Bau-Materialien & Techniken. Das Suchen geeigneter Bauweisen und -methoden für das neue Betriebsrestaurant sowie die konstruktive Umsetzung und Darstellung der Tragsysteme, ebenso wie die Betrachtung der Raumakustik spielen bei diesem Entwurf eine besondere Rolle.

biobased - Bauen mit biobasierten Materialien

„Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.“ - Molière

 Wo in der Vergangenheit natürliche Baustoffe, wie Lehm, Holz, Stroh oder Stein die Grundlage traditioneller Bauweisen bildeten, wurden diese mit der industriellen Revolution zunehmend durch industriell hergestellte synthetische Baustoffe substituiert, was zu einer deutlichen Effizienzsteigerung im Bauwesen führte, aber gleichzeitig auch zu deutlich höheren Umweltbelastungen.

Heute ist der Bausektor einer der materialintensivsten Wirtschaftssektoren Deutschlands. Ausgelöst durch die aktuellen Herausforderungen, allen voran Ressourcenknappheit und Klimawandel, stellt sich die Frage, wie wir auch in Zukunft verantwortungsvoll bauen können. Wir müssen die Art und Weise, wie wir bauen, und womit wir bauen, verändern. Dazu bedarf es einer MATERIALREFORM – hinsichtlich Materialgewinnung, -transport und -verarbeitung.

Umweltfreundliche Alternativen zu konventionellen Baustoffen wie Beton bestehen statt aus synthetischen Stoffen aus nachwachsenden Rohstoffen, die mit geringem Energieaufwand hergestellt werden können und eine hohe Recyclingfähigkeit bzw. Kompostierbarkeit aufweisen.

Das Seminar bietet einen Einstieg in die umfassende Thematik natürlicher Baumaterialien und richtet dabei sowohl einen Blick zurück auf tradierte Techniken als auch einen ein Blick nach vorne auf den aktuellen Stand, sowie mögliche Potentiale für zukünftige Baumethoden. Das Seminar gliedert sich in die Themenblöcke Holz, Lehm, Stroh(ballenbau), Schilf, Hanf(kalk), Mycellium und Stein. Im Rahmen des Seminars werden wir uns in Theorie und Praxis mit den Grundlagen der Anwendung von biobasierten Baumaterialen beschäftigen. Dabei werden wir historische und aktuelle beispielhafte Bauten in Form von Referaten analysieren und vorbildhafte Gebäude aus biobasierten Baustoffen im Rahmen von Exkursionen besichtigen, sowie Gespräche mit Experten führen. Abschließend wird das erlernte Wissen in einem Stegreifentwurf angewendet.

Mud works! - Lehmbauseminar

„How can we use dirt from the surface of the earth to make an alternative architecture that is both technically and aesthetically responsive to the conditions of our times“- Mohsen Mostafavi

 Lehm bzw. Erde ist seit mehr als 9.000 Jahren über alle Klimate und Kontinente hinweg eines der meistgenutzten Baumaterialien der Welt. In den letzten Jahren gab es, ausgelöst durch die aktuellen Herausforderungen im Bausektor, allen voran Ressourcenknappheit und Klimawandel, in Mitteleuropa eine regelrechte Renaissance des tradierten Baustoffs. Kein anderes Baumaterial kann ohne Qualitätsverluste wieder und wieder verwendet werden, ist fast überall lokal vorhanden, dabei weitestgehend CO2-neutral und bietet hervorragende raumklimatische und bauphysikalische Eigenschaften. Obwohl Lehm ein archaischer, „primitiver“ Baustoff ist, kann er hochfortschrittliche Leistungen erbringen und so technisch auf die Bedingungen der heutigen Zeit reagieren: Low tech – high performance. Zudem bietet der Lehmbau vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten und damit insgesamt eine vielversprechende Perspektive für das zukünftige Bauen.

Das Seminar bietet einen Einstieg in die umfassende Thematik des Lehmbaus und richtet dabei sowohl einen Blick zurück auf die Jahrhunderte alten Traditionen und Techniken als auch einen ein Blick nach vorne auf den aktuellen Stand, die Potentiale des zeitgenössischen Lehmbaus, sowie mögliche zukünftige Baumethoden.

Im Rahmen des Seminars werden wir uns in Theorie und Praxis mit den Grundlagen der Anwendung von Lehm als Baumaterial beschäftigen. Dabei werden wir verschiedene Bauweisen (u.a. Stampflehm / Pisé, Lehmsteine und hybride Konstruktionen) sowie die verschiedenen Bauelemente (Boden, Wand, Decke / Dach und Öffnung) betrachten. Außerdem werden wir historische und aktuelle beispielhafte Lehmbauten analysieren und vorbildhafte Gebäude in Lehmbauweise im Rahmen von zwei Exkursionen

besichtigen. In einem Workshops wird der Umgang mit Lehm als Baustoff zudem eigenhändig erprobt. Abschließend wird das erlernte Wissen in einem Stegreifentwurf angewendet. 

Sommersemester 2024

Take a seat! –  Bau für eine Stuhlfabrikation

 „Zuletzt verbindet sich alles – Menschen, Ideen, Objekte, usw., …die Qualität der Verbindungen ist der Schlüssel zur Qualität überhaupt.“ - Charles Eames, 1961

Das Konzept der Verbindungen ist essenziell beim Design von Stühlen. Durch Form und Material entsteht zudem eine körperliche und psychologische Verbindung mit den Sitzenden. Von alltäglich bis exaltiert – der Stuhl ist (heute) ebenso Gebrauchs- wie Designobjekt, er vereint Funktionalität und Ästhetik und ist Ausdruck kultureller Inhalte und Werte. Einst Privileg der Herrschenden, die sprichwörtlich über den anderen thronten, wurde der Stuhl schließlich Teil des gängigen bürgerlichen Mobiliars und wandelte sich so vom Machtsymbol zum alltäglichen Gebrauchsgegenstand. Lange blieb er Ausdruck von Wohlstand und Macht. Entscheidend für die Wandlung des Stuhls vom handgefertigten Einzelstück zum industriellen Massenprodukt war der Einsatz neuer Techniken im 19. Jahrhundert. Die Firma Thonet gilt hier als wegweisend.

Die Evolution des Stuhls und seiner Formen vollzog sich oft im Einklang mit den architektonischen und technologischen Entwicklungen und spiegelt damit die sich wandelnden Bedürfnisse und Interessen der Gesellschaft. Neue Fertigungstechnologien wie 3D-Druck ermöglichen komplexe Formen, das gesellschaftliche Umdenken im Hinblick auf den Umgang mit Ressourcen regt die Suche nach neuen Materialien an.

Viele charakteristische Stühle wurden von Architekten entworfen – wie z.B. Le Corbusier, Charles und Ray Eames und Lina Bo Bardi.

Über das Design eines neuen, zeitgemäßen Stuhls nähern wir uns der Aufgabe ein Gebäude für eine zukunftsweisende Produktion und Montage von Stühlen, mit Bereichen für die Produktentwicklung und Materialforschung sowie Ausstellungsflächen zu entwerfen.

Die Industrie hat bei der Entwicklung und Anwendung neuer Bau-Materialien & Techniken eine wichtige Vorreiterrolle. Das Suchen geeigneter Bauweisen und -methoden sowie die konstruktive Umsetzung der Tragsysteme spielt bei diesem Entwurf eine besondere Rolle.

KäseBrett“ Ein Holzbau für eine Käserei in den Alpen

„Der Werkstoff Holz ist für Industriegesellschaften gerade deshalb mit Emotionen aufgeladen, weil die Spannung zwischen (seinen) Eigenschaften nicht auflösbar ist. Teils tot, teils lebendig – Holz verbindet Materielles und Ideelles, Vergangenheit und Gegenwart, Greifbares und Imaginäres“ - Philipp Ursprung

Holz ist eines der erneuerbaren Materialien, das entscheidend zur Entwicklung einer nachhaltigen Baukultur beiträgt. Mit dem Potential neuer innovativer Technologien kann es gerade auch im Industriebau eine alternative Zukunft schaffen. Aber auch das Lernen von tradierten Techniken bietet Möglichkeiten, die Grenzen des Holzbaus neu auszuloten.

Über die Aufgabe, die Räumlichkeiten für eine Käserei in den Alpen zu entwerfen, sollen die Potentiale des Materials Holz in der Vergangenheit und der Zukunft erforscht werden und die Grenzen zwischen Handwerk und Industrie neu betrachtet werden.

Auch in der Käseproduktion selbst gibt es Bezüge zum Baustoff Holz: während der Reifezeit werden Käsesorten, wie zum Beispiel der Wälder Bergkäse oder der Schweizer Emmentaler, auf Holzbrettern gelagert. Das Holz absorbiert Feuchtigkeit und hilft dabei, den Käse zu reifen und sein Aroma zu entwickeln.

Im Rahmen einer mehrtägigen Exkursion beschäftigen wir uns intensiv mit der Holzverarbeitung und der Käseproduktion.

Die Industrie hat bei der Entwicklung und Anwendung neuer Bau-Materialien & Techniken eine wichtige Vorreiterrolle.

Das Suchen geeigneter Bauweisen und -methoden sowie die konstruktive Umsetzung und Darstellung für die neue Käse-Produktionsstätte stellt bei diesem Entwurf einen Fokus dar. Der Baustoff Holz ist dabei materialgerecht effizient und zukunftsweisend einzusetzen, auch in hybriden Konstruktionen und mit anderen biobasierten Materialien.

Über das Bauen mit Lehm

Lehm bzw. Erde ist seit über 9.000 Jahren über alle Klimate und Kontinente hinweg eines der meistgenutzten Baumaterialien der Welt. Auch heute lebt ca. ein Drittel der Menschheit in Bauwerken, die aus Lehm gefertigt wurden. In den letzten Jahren gab es, ausgelöst durch die aktuellen Herausforderungen im Bausektor, allen voran Ressourcenknappheit und Klimawandel, in Mitteleuropa eine regelrechte Renaissance des tradierten Baustoffs. Kein anderes Baumaterial kann ohne Qualitätsverluste immer und immer wieder verwendet werden, ist quasi überall lokal vorhanden (Verwendung von Aushubmaterial), ist weitestgehend CO2-neutral und bietet hervorragende raumklimatische und bauphysikalische Eigenschaften, wie eine angenehme Akustik, einen wirksamen thermischen Speicher und eine exzellente Kontrolle von Feuchtigkeit und Temperatur. Obwohl Lehm ein archaischer, „primitiver“ Baustoff ist, kann er hochfortschrittliche Leistungen erbringen und technisch und ästhetisch auf die Bedingungen der heutigen Zeit reagieren: Low tech – high performance. Zudem bietet der Lehmbau vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten und damit insgesamt eine vielversprechende Perspektive für das zukünftige Bauen.

Das Seminar bietet einen Einstieg in die umfassende Thematik des Lehmbaus und richtet dabei sowohl einen Blick zurück auf die Jahrhunderte alten Traditionen und Techniken, als auch einen ein Blick nach vorne auf den zeitgenössischen Lehmbau und die Potentiale möglicher zukünftiger Baumethoden. Wir werden uns mit den Grundlagen der Anwendung von Lehm als Baumaterial beschäftigen und verschiedene Bauweisen untersuchen (u.a. Stampflehm / Pisé, Lehmsteine und hybride Konstruktionen), sowie verschiedene Bauelemente (Boden, Wand, Decke / Dach und Öffnung) betrachten. Beispielhafte histoische und aktuelle Lehmbauten werden analysiert und in Referaten vorgestellt. Unterstützend werden wir Fachvorträge, Expertengespräche und die Besichtigung vorbildhafter Bauten in Lehmbauweise als Tagesexkursionen, evtl. auch als 2-tägige Exkursion, organisieren. In Workshops kann „hands-on“ mit dem Material experimentiert werden. Ein kurzer Stegreifentwurf bietet die Chance, abschließend das erlernte Wissen anzuwenden.

„UrbanInsects“ - Habitat-Systeme für Insekten im urbanen Kontext

Entwurf von fassadenintegrierten Habitat-Systemen für verschiedene bestäubende Insekten im Rahmen eines Seminars am Institut für Industriebau, Entwerfen und Konstruieren, IEK, in Kooperation mit dem Institut für Akustik und Bauphysik, IABP.

 Fast alle Wild- und Kulturpflanzen werden von Insekten bestäubt. Damit sind sie unersetzlich für unsere Ökosysteme. Geschätzt würden ohne bestäubende Insekten Ernteeinbrüche von bis zu 90 Prozent entstehen. Hauptursache für den derzeitig zu beobachtenden dramatischen globalen Rückgang vieler Bestäubergruppen ist der Verlust von Nahrungsquellen und Nistplätzen. In Deutschland sind beispielsweise ca. 50% aller Wildbienenarten bestandsgefährdet.

 Aufgabe des Seminars ist die Entwicklung und Gestaltung funktionaler Habitat- und Hohlraumsysteme für Insekten. Es sollen sowohl Entwürfe für großflächige Anwendungsbeispiele von Habitat-Systemen, auch in Kombination mit Grünstrukturen, entstehen, als auch konkrete Habitat-Module, die in unterschiedliche Arten von Gebäudefassaden (u.a. vorgehängt und hinterlüftet/ VHF und Mauerwerk mit WDVS) integriert werden können. Die einzelnen Module stellen jeweils Habitate in Form von Nisthilfen oder Hohlräumen für verschiedene Insektenzielgruppen, vor allem Wildbienen, dar und sind idealerweise steckbar, also einfach und flexibel ein- und ausbaubar.

Als Leistungen im Rahmen des Seminar werden ein Vortrag inkl. Ausarbeitung (Analyse zu Nist- und Brutverhalten von 1-2 Insektenarten, sowie ihrer Nahrungsquellen im urbanen Kontext), sowie Entwürfe für modulare Habitate und ein finales Mock-up (Maßstab 1:1 ) für einen Prototypenbau zum Einsatz in eine Bestandsfassade erwartet. Die Modellbauarbeiten werden voraussichtlich finanziell unterstützt.

Ergänzend werden Fachvorträge, Expertengespräche und Besichtigungen verschiedener Institutionen als Tagesexkursionen organisiert.

Wintersemester 23/24

CARBONEUM - Metamorphose der Lausitz

 Ein klimaneutrales Museum im Strukturwandel einer einstigen Bergbauregion – VDI-Wettbewerb Integrale Planung 2023/24

Die Niederlausitz in Brandenburg galt lange Zeit als eines der bedeutendsten Braunkohleabbaugebiete in Ostdeutschland. Aufgrund klimapolitischer Ziele wird der Braunkohletagebau in wenigen Jahren komplett eingestellt, was einen dramatischen industriellen Strukturwandel für die Region mit sich bringt. Die Lausitz soll sich fortan als Energieregion im Wandel etablieren, mit einem Schwerpunkt auf erneuerbarer Energiegewinnung.

Die Spuren des Tagebaus prägen das Landschaftsbild deutlich. Die verlassenen Gruben füllen sich zunehmend mit Wasser und bilden eine neue Seenlandschaft, zu der auch der "Cottbuser Ostsee", Deutschlands größter künstlicher Binnensee, gehört.

Im Rahmen des im Wintersemester ausgelobten VDI-Wettbewerbs möchten wir gemeinsam mit Ihnen nach stadtplanerischen und architektonischen Lösungen suchen, die diese strukturellen Veränderungen als Chance für die Zukunft der Region begreifen. Ein zentraler Ansatzpunkt ist dabei die Entwicklung des CARBONEUMS am Westufer des Cottbuser Ostsees. Das Industriemuseum, das klimaneutral gestaltet werden soll, widmet sich der vielschichtigen Beziehung zwischen Kulturgeschichte, Naturraum und Kohleförderung in der Region. Neben Ausstellungen über die Geschichte des Braunkohletagebaus und die Traditionen der Wenden und Sorben in der Lausitz wird der neu konzipierte Bau Raum für Veranstaltungen und themenbezogene Forschung bieten. Es soll nicht nur ein Museum und Informationsforum sein, sondern auch ein Symbol des industriellen Strukturwandels, das über die Region hinaus als Anziehungspunkt fungiert.

Neben der architektonischen Gebäudeplanung sollen auch die wichtigsten konstruktiven Details bearbeitet werden, um glaubhaft zu zeigen, wie das entworfene Konzept in die Realität umgesetzt werden kann. Dabei sollen experimentelle Wege in der Konstruktionsweise und Materialisierung hinsichtlich eines ressourcenschonenden und kreislaufgerechten Bauens nach den Grundsätzen des Cradle-to-Cradle-Prinzips untersucht werden. Diese sollen methodisch durch Ökobilanzierungen vergleichend bewertet werden.

Eine ausdrücklich erwünschte und obligatorische interdisziplinäre Zusammenarbeit erfolgt in Teams mit Studierenden der Fakultät 2 (Bau- und Umweltingenieurwissenschaften). Zugelassen sind Teams von 2 bis 5 Personen, die aus mindestens zwei Fachrichtungen stammen.

Industriebau morgen

Moderne und zeitgemäße Industriebauten stellen als Orte der Arbeit eine besondere Herausforderung für Architekten und Ingenieure dar.

Auf einem historischen Standort mit Bestandsbauten sollen in Schwenningen die Produktion und Nebenbereiche für ein mittelständisches Stahlbauunternehmen entstehen. Die Integration des Neubaus in die bestehende Bebauung spielt dabei eine besondere Rolle.

Neben Antworten zur Standortanalyse und zur Untersuchung der funktionalen internen Abläufe soll auf die Darstellung der neuen Produktionsstätte als prägnantes Bauwerk mit einer eigenständigen Corporate Identity geachtet werden. Weiterhin soll der neue Gebäudekomplex Anforderungen an heutige teamorientierte Arbeitsweisen mit flachen Arbeits- und Kommunikationsstrategien begünstigen.

Die komplette digitale Vernetzung von Planung, Konstruktion und Herstellung soll die Arbeitsprozesse im Werk optimieren und beschleunigen. Dazu gehört auch die angestrebte Reduzierung von Energieverbräuchen innerhalb der Produktionsprozesse. Das Suchen geeigneter Bauweisen und -methoden für die neue Produktionsstätte sowie die konstruktive Umsetzung und Darstellung der Subsysteme spielt bei diesem Entwurf eine besondere Rolle. Nicht zuletzt soll das Bauwerk die von dem Unternehmen angestrebte Qualität ihrer Produkte und Arbeitsweisen nach außen abbilden. Nachhaltigkeitsfragen im Umgang mit Konstruktion und Betrieb der neuen Industrieanlage sind entscheidend müssen im Rahmen des Entwurfs beantwortet werden.

Über das Bauen mit Lehm

Der Baustoff Lehm spielt bis heute für die Menschheit eine große Rolle, die in unserer Zeit in seiner Bedeutung völlig unterschätzt wird. Ca. ein Drittel der Menschheit lebt heute in Bauwerken, die aus Lehm gefertigt wurden.

Auch in Deutschland war dieser Baustoff in der Geschichte von großer Bedeutung. Die Gefache der historischen Fachwerkhäuser wurden in aller Regel mit Geflecht, Staken und Lehm verschlossen. Immer wenn es in Krisenzeiten schwierig war, Baustoffe wie Holz oder Naturstein zu finden, hat man auf den Baustoff Lehm zurückgegriffen, so z.B. im hessischen Weilburg im 19. Jahrhundert, wo mehrere hundert Bauwerke in der so genannten Pisé-Bauweise errichtet worden sind, u.a. das höchste Lehmbauwerk Europas mit 6 Obergeschossen.

Lehmwände oder auch nur Lehmputz werden aufgrund ihrer positiven bauphysikalischen Eigenschaften sehr geschätzt, nehmen sie insbesondere Feuchtigkeit auf und speichern Dampf. Gleichzeitig wirkt ihre Speichermasse temperaturausgleichend. Lehm ist praktisch überall verfügbar, kann kostengünstig eingesetzt und in verschiedensten Formen verarbeitet werden (z.B. als Lehmziegelwand oder Stampflehmwand).

Der moderne Lehmbau stellt im Vergleich mit anderen Baustoffen (v.a. Ziegelsteinen oder Beton) eine weitgehend CO2-neutrale Bauweise dar und erlebt auch aus diesem Grund eine Art von Renaissance.

Darüber hinaus sind die Oberflächen der Lehmstrukturen gestalterisch sehr wertvoll und interessant.

Im Rahmen unseres Seminars möchten wir uns mit den Grundlagen der Anwendung von Lehm als Baumaterial beschäftigen. Weiterhin untersuchen wir verschiedene Bauweisen und analysieren historische und moderne Bauwerke in Lehmbauweise. Unterstützend werden wir Fachvorträge organisieren und Beispielgebäude in Form von Tagesexkursionen besichtigen. Das Seminar ist für Bachelor- und Masterstudierende gleichermaßen geöffnet.

Kontakt

 

Institut für Industriebau, Entwerfen und Konstruieren (IEK)

Keplerstrasse 11, D-70174 Stuttgart, Campus Stadtmitte

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